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100 Jahre und immer noch links - Gespräch mit Theodor Bergmann

Sein Leben begann er noch zu Kaisers Zeiten in Berlin als Sohn eines Rabbiners. Als in Deutschland 1933 die Nazis an die Macht kamen, musste er nach Palästina emigrieren. Bereits 1946 kehrte Theodor Bergmann indes in sein Geburtsland zurück und war bis 1981 Professor für Agrarwissenschaft an der Universität Hohenheim.

Sein Leben begann er noch zu Kaisers Zeiten in Berlin als Sohn eines Rabbiners. Als in Deutschland 1933 die Nazis an die Macht kamen, musste er nach Palästina emigrieren. Bereits 1946 kehrte Theodor Bergmann indes in sein Geburtsland zurück und war bis 1981 Professor für Agrarwissenschaft an der Universität Hohenheim. Im März wurde Bergmann 100 Jahre alt und kann somit als Zeitzeuge auf eines ganzes Jahrhundert zurückblicken. Diese Woche war Bergmann zu Gast beim Kreisverband Ludwigsburg der Partei Die Linke und berichtete aus seinem ereignisreichen Leben als aktiver sowie stets kritischer Kommunist. Erhard Korn, Vorsitzender der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Baden-Württemberg, befragte Bergmann zu verschiedenen Epochen der deutschen Geschichte. Klar und mit hochanalytischem Sachverstand interpretierte Bergmann die Ereignisse der damaligen Zeit und ging am Ende auch noch auf aktuelle politische Entwicklungen ein

Bergmann ist einer der letzten großen Zeitzeugen der deutschen Arbeiterbewegung. Er erlebte in den 1920er Jahren die Straßenkämpfe zwischen der SA und dem Rotfrontkämpferbund und verließ das Land nach einer Hausdurchsuchung der elterlichen Wohnung Anfang März 1933 nach Palästina. „Wir dachten damals, nach drei Jahren wird Hitler besiegt“, schilderte Bergmann seinen Irrtum. In Palästina hielt es ihn nicht lange. „Ich wollte nicht gegen arabische Landarbeiter kämpfen“, meinte Bergmann. 1936 ging er nach Prag und nahm dort ein agrarwissenschaftliches Studium auf. 1938 floh er dann erneut vor den Nazis ins neutrale Schweden und schloss sich dort den Exilanten der KPD-Oppositionsgruppe an. Auch nach dem Krieg hatte es Bergmann als bekennender Kommunist in Deutschland nicht einfach. Er setzte sich jedoch letztlich an der Universität Hohenheim durch und wurde dort 1973 Professor für international vergleichende Agrarpolitik.

In den 1970er Jahren engagierte sich Bergmann für Hochschulmitarbeiter, die vom Radikalenerlass betroffen waren. 1990 kandierte er bei der Bundestagswahl als PDS-Spitzenkandidat und trat 2007 der Partei Die Linke bei. Bergmann ist bis heute ein kritischer Betrachter der politischen Entwicklungen im In- und Ausland geblieben. Bei der Jahreshauptversammlung der Ludwigsburger Linken gab er sich als klarer Kritiker der jetzigen israelischen Regierung zu erkennen und machte die deutsche Regierung für viele der gegenwärtigen Probleme in der EU sowie in den ärmeren Ländern der Welt mitverantwortlich. Bergmann geißelte den „arroganten“ deutschen Kapitalismus und warb für seine internationalistische Sicht der Dinge. Im Blick auf die Entwicklung in China und Kuba bekräftigte er: „Ich bleibe Optimist“. Gesellschaftliche Fortschritte bräuchten eben Zeit, meinte Bergmann schließlich. Bei den Nachwahlen wurden am Ende der Veranstaltung Susanne Lutz aus Großbottwar und Erhard Korn aus Steinheim in den Kreisvorstand gewählt.